
- Sonderausgabe zur arabischen Kunst und Literatur - Jonas Reuber
Das Machtverhältnis zwischen Kunst und Ökonomie ist simpel: künstlerische Produkte, die für viele Menschen interessant sind und sich gut verkaufen lassen, bekommen wirtschaftliche Unterstützung. Werken, die sperriger sind, zweifelhaft und nur bedingt geeignet für ein großes Publikum, kommt selten solch ein finanzieller Schwung zugute. Um ihre Interessenten zu erreichen, müssen sie einen steinigen Weg gehen. Sie wandeln auf den Seitenstraßen der Branche und geraten dort nicht selten in Vergessenheit.
"sprachgebunden" als intermediale Sinnkapsel
Zum Glück gibt es immer wieder kluge Köpfe, die einen passionierten statt marktorientierten Blick auf die Kunst wagen und somit auch den leisen Stimmen Aufmerksamkeit verschaffen. Zwei davon sind Jan Valk und Jonas Reuber, Herausgeber der Literatur- und Kunstzeitschrift "sprachgebunden". Seit 2005 stellen die beiden Kulturjournalisten mit exzellentem kompositorischen Geschick ihre "Zeitschrift für Text + Bild" her. Das gestalterische Grundprinzip von "sprachgebunden" ist ein ausgewogenes Nebeneinander von Kunst und Literatur. Lyrik und Kurzprosa begegnen Bildern und Skizzen.
Es sei vor allem die spannende Wechselwirkung zwischen den unterschiedlichen Kunstformen, die die Arbeit an dem Magazin ausmache, so Jonas Reuber. "Medien stehen miteinander in Kontakt, sie inspirieren sich gegenseitig. Peter Rusams Bilder, die wir in unserer ersten Ausgabe fokussiert haben, beziehen sich zum Beispiel auf die Filme von Eric Rohmer. Wenn wir die dann in unserem Heft in Kontakt mit Literatur bringen, begegnen sich schon drei Medien." erklärt Jan Valk. Dadurch entsteht mit jeder Ausgabe eine Art intermedialer Sinnkapsel.
Nischentexte auch aus dem Ausland – "sprachgebunden" fördert Übersetzungen
Im Falle der aktuellen Ausgabe konzentriert sich dieser Sinn auf Literatur und Kunst aus der arabischen Welt. Die Arbeiten von sechs Künstlern aus eben diesem Kulturraum, die ihr Schaffen ins Exil verlagert haben oder verlagern mussten, bilden das Grundgerüst dieser thematischen Sonderausgabe. Über deutschsprachige Texte hinaus, widmet sich "sprachgebunden" auch immer wieder der Übersetzung ausländischer Nischentexte, die der deutsche Sprachraum andernfalls wahrscheinlich nie kennenlernen würde. Das gibt dem Magazin, das noch dazu in einer bescheidenen Auflage von 1000 Exemplaren erscheint, eine zusätzliche Exklusivität. Literatur- und Kunstliebhaber stoßen bei der Lektüre auf verborgene Schätze. "Wir beschränken uns nicht auf die Werke von Debütanten, sondern sind freier in der Auswahl der Texte. Werke verstorbener Dichter neu zu beleuchten, kann ebenso spannend sein, wie das Spätwerk eines Autors wieder auszugraben" beschreiben die Herausgeber die Bandbreite der Inhalte.
Junge Magazine gestalten für den Druck, nicht für das Internet
Der Zusammenschluss junger Magazine scheint indes eine wichtige Entwicklung in der Geschichte der Literaturzeitschrift zu sein. Arbeiteten die traditionellen Magazine bis vor ein paar Jahren noch isoliert und geschlossen für sich selbst, so findet spätestens seit 2007 eine lebendige Vernetzung zwischen den verschiedenen Redaktionen statt. Unter dem Label "Junge Magazine" präsentiert sich die neue Generation der Literaturzeitschriften auf einer gemeinsamen Plattform im Netz. "Eine inhaltliche Zusammenarbeit bedeutet das aber nicht", erklärt Jonas Reuber. "Es geht mehr darum, im Zusammenschluss die öffentliche Präsenz zu stärken. In den letzten Jahren wurden eine Fülle spannender Konzepte aus der Taufe gehoben, die unbedingt Aufmerksamkeit verdienen."
Nicht ohne Verwunderung bestätigt sich dieser Trend, besucht man die Homepage der jungen Magazine: 11 unterschiedliche Projekte stellen sich dort vor. Alle Magazine werden in liebevoller Handarbeit für den Druck gestaltet, und nicht fürs Netz.
"Das Internet nutzen wir nur für die Präsentation, aber nicht für die Inhalte. Es herrscht eine Herstellungsversessenheit," erklärt Jan Valk, "das aufwändige Gestalten ist ein wichtiger Teil, den sich auch die jungen Magazine nicht wegdenken können."
Die jungen Magazine auf der Leipziger Buchmesse
Auf der Leipziger Buchmesse haben die jungen Magazine einen eigenen Stand ( Halle 5 - Stand E208 ), an dem die raren Liebhaberstücke ausliegen und Probe gelesen werden können. Jenseits der großen Verlage findet der Besucher hier lesenswerte literarische Nischentexte und natürlich die Herausgeber selbst.
Die Herausgeber Jonas Reuber und Jan Valk geben der Kunst Freiraum
Jonas Reuber und Jan Valk genießen die schöpferische Freiheit, mit der sie "sprachgebunden" fernab eines ökonomischen Drucks gestalten können und den Moment, da das fertige Heft aus dem Druck kommt. "Es ist eben eine Lieberhabergeschichte." schließt Jonas Reuber mit einem ironischen Lächeln.
Und er hat recht: die einnehmende Ästhetik dieses Magazins und die klugen Stimmen, die es vereint, sind ein unterschätzter Verweis darauf, dass Kunst den Betrachter fordern, manchmal gar überfordern muss. Kunst ist immer dann spannend, wenn sie etwas wagt. Wenn sie das Risiko eingeht, nicht allen zu gefallen.
sprachgebunden
erscheint zweimal jährlich in der Edition Chiméra
Einzelpreis 9 ,- / Jahresabo 12 ,-
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